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Nothafen aktuell | März 2014

Mai 2013 - Blick auf die Hafeneinfahrt vor der letzten Baggerung | Foto: Lutz Storm

In der Ostsee-Zeitung vom 5.3.2014 stand dazu folgender Artikel:

 

Regierung und Nationalpark halten am Aus für Nothafen fest

 

Die einzige Alternative ist eine „Minimalvariante“ mit einem geschützten Anlegesteg für den Seenotrettungskreuzer. Eine neue Studie für die Standortsuche ist geplant.

5.3.2014 | Mit dem Absturz des Rettungshubschraubers „Christoph Offshore 2“ hat die Debatte um den Erhalt des Nothafens Darßer Ort neues Futter bekommen. Dem Ansinnen, den Nothafen als Dauerlösung zu etablieren, nimmt Gernot Haffner (37), Leiter des Nationalparkamtes Vorpommern, aber gleich den Wind aus den Segeln. Das werde nicht geschehen. Der Nothafen stelle eine Übergangslösung dar, bis eine Alternative geschaffen sei. Welche speziellen Anforderungen dieser Hafen erfüllen muss, werde durch die Landesregierung abgewogen, sagt Gernot Haffner.

Das geschieht in einer interministeriellen Arbeitsgruppe, wie Steffen Wehner, Sprecher von Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD), gestern bestätigte. Klar ist aber auch: Von Schwerin aus wird das geplante Aus für den Nothafen Darßer Ort nicht infrage gestellt. Die Planungen zielen allein in Richtung Minimalvariante, also einem geschützten Liegeplatz für den Rettungskreuzer „Theo Fischer“.

In Kürze werde eine Studie in Auftrag gegeben, in der Vor- und Nachteile verschiedener Standorte gegeneinander abgewogen werden sollen. Bis zur Inbetriebnahme dieses Liegeplatzes soll der Nothafen Darßer Ort geöffnet bleiben. Für weitere Baggerungen würden schon jetzt die naturschutzrechtlichen Bedingungen abgeklopft.

Kreiswehrführer Gerd Scharmberg (58) dagegen fordert den Bestand des Hafens in der Kernzone des Nationalparks als Basis für großangelegte Rettungseinsätze. „Warum haben wir in diesem Land nicht Schneid genug, uns gegen Extrem-Schützer durchzusetzen.“

Dabei sind es nicht allein Naturschützer, die bislang dem Fortbestand des Nothafens oder einem Etappenhafen als Alternative entgegenstanden. In Prerow verabschiedeten sich die Gemeindevertreter nach langem Hin und Her vom geplanten Bau eines Hafens an der Küste im Bereich der Hohen Düne. Vorausgegangen waren zahlreiche Abstimmungen innerhalb der Gemeindevertretung sowie zwei Bürgerentscheide — ein Schlingerkurs. Erst gab es eine hauchdünne Mehrheit grundsätzlich für einen Hafen in dem Ostseebad, dann ein klares Nein zum vorgeschlagenen Standort am östlichen Ortsausgang. Doch die Alternative am Bernsteinweg fiel bei den Prerowern durch, weil dann ja durch An- und Abfahrten zum Hafen zusätzlicher Verkehr den Ort belaste. Das Ja für einen Hafen war aber an den Ausschluss jeglicher Belastung für den Ort geknüpft.

Als sich die Prerower endlich gegen einen Hafen auf ihrem Gemeindegebiet aussprachen, kam Zingst ins Spiel. Dort schlummert in den Schubladen die Zustimmung für den Bau eines vorgelagerten Inselhafens. Wie zuvor in Prerow begannen erste Planungen. Doch dann machte die Landesregierung einen Rückzieher. Die Baukosten — Schätzungen reichten von 31 bis 50 Millionen Euro — waren der Landesregierung einfach zu teuer.

In der Folge begann parallel im Umwelt- und Verkehrsministerium eine fieberhafte Suche nach einer Minimalvariante. Die Seenotretter selbst hatten solch eine Lösung erst einmal als nicht akzeptabel bezeichnet. Außerdem könne so ein Steg mit einem Havaristen im Schlepp nicht angesteuert werden, schon gar nicht bei schwerer See. In Gesprächen mit der interministeriellen Arbeitsgruppe hatten die Seenotretter die Anforderungen an einen solchen Liegeplatz formuliert.

In Kürze wird eine Studie zur Standortsuche für eine Minimalvariante in Auftrag gegeben.“ Ministeriumssprecher Steffen Wehner

 Timo Richter

Nothafen Darßer Ort wieder befahrbar

Ein Blick vom neuen Steg auf die Einfahrt des Nothafens Darßer Ort am 10. Juni 2013. Ein breiter Dünenzug zieht sich quer über die ehemalige Einfahrt. | Foto: Annett Storm

15.9.2013 | Seit August 2013 liegt der Seenotrettungskreuzer wieder im Nothafen am Darßer Ort. Eine sinnvolle Alternative zu dem ständig versandenden Hafen ist noch immer nicht in Sicht. 

Wie weiter mit dem Nothafen?

3/2013 | Noch sind die Bagger nicht erneut angerückt. Aber das Oberverwaltungsgericht Greifswald hat den Vergleich der Landesregierung mit dem BUND und dem WWF in weiten Teilen gekippt. Der sah vor, dass es nach 2010 keine weiteren Baggerung in der Zufahrt zum Ottosee geben sollte. Eine anschließende Beschwerde wurde von der nächsthöheren Instanz zurückgewiesen. 

Das Land hat allerdings auch die Alternative in Zingst zu Fall gebracht. Der Inselhafen hätte die Probleme lösen können.

Immer wieder werden Forderungen laut, doch den Nothafen aus dem Nationalpark zu nehmen und als kleinen Etappenhafen auszubauen. Jedoch befindet sich dieser in einer der aktivsten und dynamischsten Sandanlandungsbereiche der südlichen Ostsee. Wenn man die Luftbilder der letzten 60 Jahre vergleicht, dann wird deutlich, dass ein Hafen an dieser Stelle einfach keine Zukunft hat, weil die Sicherstellung dessen Befahrbarkeit die Kosten ebenso dynamisch in die Höhe treiben würde. 

Ein wichtiges Argument für einen Hafenstandort vor der Nordküste des Darßes bleibt die Menschenrettung. Der Seenotkreuzer braucht einen Liegeplatz, von dem er schnell die Ostseebereiche erreicht, in denen es immer mal wieder zu Unfällen kommt - die Flachwasserbereiche rund um den Darßer Ort. Der Liegeplatz in Barhöft ist eine Alternative, nach Aussage der Seenotretter aber zu weit vom "Brennpunkt" entfernt.

Die Landesregierung sollte also nun - nach 22 Jahren - endlich für eine zufriedenstellende Alternative eintreten.

Und wieder soll gebaggert werden!!!

Ein aktuelles Bild von der Spitze des Darßer Ortes vom Mai 2012. Gut sichtbar - die Fahrrinne zum Nothafen ist in gut einem Jahr schon wieder komplett versandet. | Foto: Lutz Storm

20.7.2012 | Es ist beschlossene Sache. Das Land setzt sich über den gerichtlich geschlossenen Verleich hinweg und will die Nothafenzufahrt am Darßer Ort erneut ausbaggern lassen. Die Ausschreibung ist erfolgt. Ob der Beschluss jedoch zur Umsetzung kommt, ist noch offen.

Die Bagger lagen indess schon vor Ort, wurden allerdings auf Grund des schon einsetzenden Vogelzuges erst mal wieder in den Heimathafen geschickt. Im November soll es weiter gehen.

Der World Wildlife Fund (WWF) und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) wollen derweil eine einstweilige Verfügung gegen das Vorhaben erwirken. Immerhin sollen für erneut mehrere hundertausend Euro rund 45.000 Kubikmeter Sand aus dem Nationalpark entfernt und damit dem natürlichen Prozess der Landentwicklung entzogen werden. Ein Prozess, der hier so dynamisch ist, wie nirgends sonst an der Ostseeküste. Der Sand fehlt dann nicht nur der Naturentwicklung im Nationalpark, sondern auch an den Stränden vor Prerow und Zingst.

Das Projekt des Ersatzhafens in Zingst - eine Inselhafenlösung, die ökologisch wie ökonomisch beispielhaft sein könnte - wird vom Land inzwischen nicht mehr unterstützt. Und das, obwohl Baggerungen und Strandaufspühlungen schon längst ein Vielfaches von dem verschlingen, was das Land für die nationalparkgerechte Lösung beisteutern müsste.                    

A.Storm

Das Problem Nothafen Darßer Ort - Eine "never ending story"?

Aus dieser Perspektive sieht man eindrucksvoll wie die Natur die Nothafenzufarht 2008 mit Sand versperrt hatte. Jetzt ist der Zustand ähnlich. | Foto: Arnt Löber

22.3.2012 | Der Nothafen Darßer Ort ist wieder versandet und die Zufahrt geschlossen. Es nur gut ein Jahr her, da erfolgte die letzte Baggerung. Und LETZTE ist hier in doppeltem Sinne wörtlich zu nehmen. Sie war das Ergebnis eines Vergleiches, den das Land mit dem WWF und Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) schlossen, nachdem beide Umweltorganisationen gegen die erneute Baggerung Klage angestrebt hatten.
Die letzten drei Baggerungen (formal gesehen als eine Maßnahme beschrieben) hat den Steuerzahler über 1.000.000 Euro gekostet. Geld, dass sehr gut in den Neubau eines Ersatzhafens hätte fließen können.
Der scheint inzwischen nun auch realisierbar. Die Gemeinde Zingst hat ein Gutachten in Auftrag gegeben um mögliche Varianten für eine Inselhafenlösung zu berechnen. Die kleinste Ausbaustufe wird mit Baukosten in Höhe von ca. 35 Millionen Euro gerechnet. Eine Optimalvariante mit Hotel, Gastronomie und Geschäften am Hafenkopf käme allerdings schon 60 Millionen Euro. Die Kapazität soll auf ca 70 Sportboote begrenzt sein. Zudem sollen der Seenotrettungskreuzer, ein Fahrgastschiff und drei Fischerboote einen Liegeplatz bekommen.
Die Landesregierung möchte nun also erneut baggern und die beiden Umweltorganisationen würden sich möglicher Weise auf einen (erneut) letzten Kompromiss einlassen. "Wir brauchen ein klares Bekenntniss zum Ersatzhafenbau in Zingst", so Jochen Lamp vom WWF. "Weiter erwarten wir vom Land eine Bestätigung, dass die Finanzierung für den Hafenneubau gesichert ist und das Baurecht bis zum Ende des Jahres vorliegt."
Derweil  ist der Seenotrettungskreuzer "Theo Fischer“" nach Warnemünde verlegt und braucht jetzt eine Stunde länger für die Anfahrt in die nördlichen Nationalparkgewässer.
Eine Lösung muss her! Über 20 Jahre nun ist das Problem bekannt und viel Geld für Studien, Gutachten und Baggerungen - man möchte meinen - in den Sand gesetzt worden. Jetzt wird es Zeit zum zielorientierten Handeln im Sinne einer Lösung für alle Probleme rund um den Nothafen.

Inselhafen soll Darßer Ort entlasten

2005 konnten Seegler und Seenotrettungskreuzer die Einfahr zum Nothafen am Darßer Ort noch ohne Risiko passieren. Aber die Flachwasserbereiche links und rechts der Fahrrinne lassen erahnen, dass Wind und Wellen hier andere Pläne haben. Der Ersatzhafen ist längst überfällig. | Foto: A. Storm

9.1.2012 | In Zingst ist man zuversichtlich, dass der Hafenneubau vor der Küste realisiert werden kann. Anfang diesen Jahres gibt es weitere Gespräche mit der Landesregierung in denen es nach Wunsch der Gemeinde zu einer klaren Richtungsentscheidung kommen soll. 

Der Neubau eines Inselhafens vor Zingst soll rund 25 Millionen Euro kosten und den Umstrittenen Nothafen am Darßer Ort ersetzten. Für 80 bis 100 Sportboote soll es Liegeplätze geben. Aber natürlich finden auch der Seenotrettungskreuzer und Fischwerboote hier eine sichere Heimat.

Um das Projekt rentabler zu gestalten, sollen am Kopf des neuen Hafens auch Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe einen Platz finden.

 

Wasser und Wind transportieren hier am Darßer Ort beständig Tag für Tag den Sand hin und her. Wunde Punkte, wie die Einfahrt zum Nothafen, werden schnell wieder geschlossen. Sie offen zu halten bedeutet viel Geld in die Hand und sprichwörtlich in den Sand zu setzen. | Foto: Arnt Löber

Fakten zum Nothafen Darßer Ort

Bau: 1962 | ins 1957 erreichtete Naturschutzgebiet

Lage: Ottosee | Kernzone des Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft

Zweck: Schnellboothafen der Nationalen Volksarmee, seit 1990 Nothafen 

Interessantes: Schon damals wurde auf die Schaffung von Hafeninfrastruktur verzichtet, weil angenommen wurde, dass man den Hafen wegen der küstendynamischen Prozesse nur maximal 30 Jahre betreiben werde können.

Baggerkosten:
1994 - 2003 | ca 600.000 €
2004 - 2009 | ?
2009 - 2011 | ca 1,2Millionen €
2013 | ca. 700.000 €


Weitere Kosten:
ca 1,5 Millionen € | für Studien und Untersuchungen zur Findung einer Alternativvariante
ca 120.000 € jährlich | für den Betrieb des Nothafens

Situation: Die Küstendynamik am Darßer Ort ist so stark, dass die Fahrrinne zum Nothafen immer wieder stark versandet. Die Spitze des Darßer Ortes wächst jährlich um rund 10 m in's Meer hinaus.

Derzeit plant Zingst den Bau eines Inselhafens als Alternativstandort. Der lässt sich jedoch nur realisieren, wenn das Land finanzielle Unterstützung gewährt.
Nach neusten Meldungen soll die jedoch nicht mehr kommen. Die Inselhafenvariante wäre damit vor dem Aus.

Fakten zu Inselhafen-Plänen

Kapazität: 80 - 100 Liegeplätze für

  • Freizeitboote
  • Seenotrettungskreuzer
  • heimische Fischerboote

Lage: vor Zingst Höhe Experimentarium

Länge der Brücke: ca 600 m

Sonstige Fakten:

  • 2011 | Machbarkeits-
    studie bescheinigt Umsetzbarkeit
  • ebenfalls im Hafenbereich - Gastronomie und Beherbergungsbetrieb, Läden, Hafenmeisterbüro, Dienstleistungsräume, 

Das Land beteiligt sich nicht an den Bau und Betreibungskosten. Das Vorhaben wird daher zunächst auf Eis gelegt. 

Derzeit (2014) wird eine kleine Inselhafenlösung geprüft, die vorrangig nur einen Liegeplatz für den Seenotkreuzer und Havaristen vorhalten soll. 

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