Noch Nothafen, bald wieder See - der Ottosee am Darßer Ort

Im Jahr 2017 musste der Nothafen am Darßer Ort gleich zwei Mal ausgebaggert werden. Nach der ersten Baggerung im März war die Hafeneinfahrt nach nur 9 Tagen zum großen Teil wieder versandet. Unklar blieb, ob die beauftragte Firma nicht ordentlich gearbeitet hatte, oder ob die anhaltenden starken Nordostwinde der Grund waren.

Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft und Umwelt hat am 05.01.2018 die Ergebnisse der Variantenuntersuchung und die von den beteiligten Ministerien bevorzugte Nutzungsvariante in Prerow vorgestellt. „Mir ist wichtig zu betonen, dass sich Koalition, Landtag, Kabinett und die Prerower Bürger gemeinsam für den Neubau und den Betrieb des Hafens ausgesprochen haben. Zum Schutz und der Rettung der Menschen, die in Prerow eine lange Tradition hat, aber auch zur touristischen sowie wirtschaftlichen Aufwertung bringt das Vorhaben viele positive Effekte für Prerow und die Region mit. Das hat ein Gutachten zum wirtschaftlichen Effekt unterstrichen“, betonte der Minister.

Das Gutachten ergab, dass ein Fahrgastschiffbetrieb an bis zu 75 Tagen im Jahr wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Es sind insgesamt regionalwirtschaftliche Effekte bis zu 320.000 € im Jahr möglich, die zu 45 % aus den Sportbootliegeplätzen erwirtschaftet werden. Im Rahmen der Vorplanung wurden 5 Nutzungsvarianten untersucht. Alle enthalten Liegeplätze für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, einen Liegeplatz für die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft und Liegeplätze für die örtlichen Fischer. Unterschiede zwischen den Varianten ergeben sich aus der Anzahl der Liegeplätze für Sportboote, den Möglichkeiten für Fahrgastschiffanleger und Liegeplatz sowie der Ausstattung des Hafens. Die Kosten der einzelnen Varianten liegen zwischen ca. 20 und ca. 28,8 Mio. €. Dazu kommen Kosten für den Betrieb und die Instandhaltung.

Die an der Finanzierung beteiligten Ministerien haben sich auf eine Variante verständigt. „Doch erst das Kabinett des Landes wird über die endgültige Variante entscheiden“, so Backhaus. Die Vorzugsvariante beinhaltet: Seenotretter inkl. Liegeplatz für Havarist, DLRG, 7 Fischer 33 Sportbootliegeplätze, 10 Notliegeplätze für größere Schiffe Fahrgastschiffanleger Betriebsgebäude mit Technik, Lager, sanitären Einrichtungen, Landstrom Seebrückenbreite 4,20 m, Länge ca. 690 m 3 touristisch nutzbare Aufwertungen (wie z.B. Liegen oder ein Wasserspielplatz für Kinder) „Wir haben uns für diese interessante und wirkungsvolle Alternative ausgesprochen, da weitere Liegeplätze die Etappenfunktion stärken. Außerdem ist bei Umsetzung der Kombination aus Fahrgastschiffsanleger an der Seebrücke und multifunktional nutzbarem Notliegeplatz die Etablierung eines wirtschaftlichen Fahrgastschiffbetriebs möglich. Diese multifunktionale Nutzung gestaltet den Hafen flexibel. Außerdem steigert der Bau mit der längsten Brücke im Ostseeraum die touristische Attraktivität“, sagte der Minister.

„Nach der Kabinettsentscheidung zur Vorzugsvariante wird die Entwurfs- und Genehmigungsplanung weitergeführt. Ich gehe davon aus, dass der Inselhafen 2021 in Betrieb gehen kann. Damit kommen wir nach 30 Jahren Diskussion über eine mögliche sinnvolle Alternative zum Nothafen am Darßer Ort, der immer wieder versandet, endlich zu einer sinnvollen Lösung“, äußerte sich der Minister.

Quelle: Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern | Januar 2018

Prerow/Schwerin. Wird der Inselhafen in Prerow deutlich teurer? In dem Entwurf einer Kabinettsvorlage werden die Baukosten für das Vorhaben auf gut 37 Millionen Euro taxiert. Bis- lang wurden die Kosten für den Inselhafen auf rund 29 Millionen Euro geschätzt. Hintergrund der Kabinettsvorlage ist die bevorstehende europaweite Ausschreibung des Projekts unter Federführung von Umweltminister Till Backhaus (SPD). Ob der Hafen aber tatsächlich teurer wird wie der Norddeutsche Rundfunk berichtete, ist laut Ministeriumssprecher überhaupt nicht klar. Bei der zitierten Vorlage habe es sich um ein internes Papier gehandelt, das als Diskussionsgrundlage diene, so Claus Tantzen. Schließlich seien außer dem Umweltministerium auch das Infrastrukturministerium sowie das Wirtschaftsministerium in das Projekt eingebunden.

Eingerechnet in die Baukosten wurden laut Claus Tantzen nun auch Unwägbarkeiten während des Baus, beispielsweise Verzögerungen durch schlechtes Wetter oder unerwartete Probleme mit dem Baugrund. Ob diese Imponderabilien aber wirklich eintreffen, ist offen. „In dem Papier wurden nun auch mögliche Risiken beziffert.“ Eine Kostentreiberin ist die Zeit. Dem Sprecher des Umweltministeriums zufolge gibt es „einen gewissen Zeitdruck. Das treibt.“ Noch in diesem Jahr soll der Baubeginn des Prestigeprojekts von Till Backhaus mit dem Abriss der alten Seebrücke erfolgen.

Der Prerower Bürgermeister René Roloff geht davon aus, dass das noch vor den Landtagswahlen am 26. September geschehen wird. Von möglichen Kostensteigerung in der zitierten Größenordnung „habe ich noch nicht ein Detail gehört“, sagt das Gemeindeoberhaupt. 

Der ehrgeizige Plan sieht vor, dass der Ersatzhafen für den Nothafen Darßer Ort in der Kernzone des Nationalparks bis 2023 komplett in Betrieb genommen werden kann. Die teilweise Öffnung des Inselhafens soll derzeitigen Planungen zufolge bereits im Jahr davor gelingen. Bis Ende 2023 muss das Projekt abgerechnet sein, um an die Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung zu kommen. Sonst müssten andere Finanzierungsmöglichkeiten geschaffen werden, zitiert der Norddeutsche Rundfunk aus dem Entwurf der Kabinettsvorlage. Zudem hatte Till Backhaus zugesagt, dass das Land für die Unterhaltungskosten aufkommen werde. Weil das Land Eigentümerin der neuen Seebrücke sein wird, muss das Ostseebad eine jährliche Nutzungsgebühr aufbringen.

Trotz möglicher Mehrkosten: „Wir stehen selbstverständlich zu dem Projekt“, konstatiert der Ministeriumssprecher. „Es gibt keine Alternative.“ Gebaut wird der Inselhafen am Kopf einer neuen, rund 700 Meter langen Seebrücke. In dem Hafen wird die künftige „Nis Randers“ – Nachfolgerin der „Theo Fischer“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger – ebenso einen Liegeplatz haben, wie Fischer und ortsansässige Gewerbetreibende. Nahe des Hafens entsteht an der Seebrücke eine Anlegemöglichkeit für ein Fahrgastschiff. So hofft der Prerower Bürgermeister schon auf eine Linie von Prerow zur dänischen Insel Møn. Dazu kommen Liegeplätze für Freizeitskipper.

Im Winter 2022/23 soll die Renaturierung des Ottosees, der als Nothafen fungiert, starten. Dort werden die Spundwände gezogen und die Kaianlagen zurückgebaut. Um ein Abrutschen der Uferböschung in den See zu verhindern, wurde in der Vergangenheit der Aushub aus der Zufahrt in den Nothafen teilweise oder ganz im Nothafen selbst verklappt. Der Sand wird später an die Hafenanlage verlagert und soll die Böschung stützen.

Mit dem Bau des Inselhafens als Ersatz für den Nothafen Darßer Ort endet dessen lange Geschichte, die 1962 mit dem Ausbau des Ottosees für militärische Zwecke begann. Diese Nutzung endete 1990, in dem Jahr wurde der Darßer Ort zudem als Kernzone des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft festgesetzt. Seitdem ist die Nutzung als Nothafen als Ausnahme von den Verboten der Nationalpark-Verordnung möglich.

Quellenangabe: Ribnitz-Damgarten vom 12.06.2021, Seite 14